Studieren - ein Privileg

Brief an die Jugend von Nadine Koller, Studentin der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten: „An dir würde eine gute Theologin verloren gehen“, das waren die Worte, die mich dazu bewegten, Religionslehrerin werden zu wollen.  


Wie es dazu kam? Ich besuchte die HLW Türnitz und als ich im Maturajahr war, kam ich jeden Tag nach Hause und hatte einen neuen Plan für meine
Zukunft: Sozialpädagogin, Kindergärtnerin, Ergotherapeutin – und dann hatte ich endlich das Gefühl, den richtigen Job vor Augen zu haben: Volksschullehrerin. Ich war mir dessen sicher und habe mich für die Aufnahmeprüfung angemeldet. Doch dann, in den letzten Vorbereitungsstunden für die münd- liche Matura in Religion, sagte meine Professorin den oben genannten Satz – „An dir würde eine gute Theologin verloren gehen“ – und dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. In der nächsten Religionsstunde fragte ich sie nach Möglichkeiten eines solchen Studiums und sie empfahl mir die Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH) in St. Pölten. Kurzum: Den Traum der Volksschul- lehrerin hatte ich verworfen, eine Woche später stand ich im Sekretariat der PTH St. Pölten und die Entscheidung war gefallen: Ich werde Religionspädagogik studieren und zwar an der kleinen, aber feinen Philosophisch-Theo- logischen Hochschule in St. Pölten.

Mittlerweile bin ich im 5. Semester und kann nach vielen absolvierten Prüfungen sagen, dass ich meinen Wissenshorizont erweitern konnte, ja mehr sogar, ich konnte meinen Glauben stärken. Das hört sich vielleicht nicht sehr abenteuerlich an, aber für meine Gefühlswelt war es ein Weg geprägt von Höhen und Tiefen. Nicht nur einmal habe ich mich bei meinem Mann oder meinen Eltern beschwert, wie anstrengend alles sei und dass ich nicht wüsste, wofür ich all diese schwierigen Begriffe je gebrauchen könnte. Um ehrlich zu sein: Es gab Momente, in denen ich dasaß und mich fragte, warum ich an Gott glaube und warum ich studiere. Doch nach jeder geschafften Prüfung wurde das Licht am Ende des Tunnels sichtbarer. Aber nicht nur das, denn jedes Zeugnis, das ich in Händen hielt, erinnerte mich an das Privileg, studieren zu dürfen.

Das Studieren an der Hochschule ist für mich ein Segen, denn alleine die Gemeinschaft der Studenten ist einzigartig, so familiär und jeder ist willkommen. Ich kann nur mit einem Strahlen im Gesicht und einer tiefen Zufriedenheit sagen: Danke, Gott!