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Brief an die Jugend - von P. Benjamin Schweighofer

 

„Meinen“ Weg finden – Brief von Benjamin Schweighofer, Jugendseelsorger, Stift Göttweig.

Liebe Kinder und Jugendliche! Die Ferienzeit ist vorüber und die Schulzeit beginnt wieder. Für viele von euch hat sich etwas verändert: Ihr habt die Schule gewechselt, habt eine Lehre begonnen oder beginnt ein Studium.

Für mich begannen nach der Hauptschule, die Landwirtschaftliche Fachschule, eine Schlosserlehre und dann der Weg ins Klos­ter und das Studium. Ich wusste nicht gleich, wo mein Platz im Leben und was meine Aufgabe sein wird, die mich glücklich macht. Ich habe lange gebraucht, „meinen“ Weg zu finden. Heute bin ich Priester und glücklich.

Aber, um zu wissen, wo ich hingehöre, muss ich gut hinhören; nicht so sehr auf das Äußere, sondern vielmehr hineinhören, auf das, was Gott mir sagen will.

Wenn ich mit Kindern und Jugendlichen das Kloster erkunde, dann gehe ich meistens auch auf den Glockenturm. Alle sind leise, ich schlage die Glocke an und alle hören gespannt zu; zwei bis drei Minuten. Dann erkläre ich ihnen: Der hl. Benedikt hat für uns Mönche ein Buch, die „Regel des hl. Benedikt“, geschrieben, in dem er viele Dinge regelt, die wichtig sind für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft. Am Beginn schreibt er das Wort „Höre“ – „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meis­ters, neige das Ohr deines Herzens,…“ – Das bedeutet, wir haben noch ein „drittes“ Ohr, mit dem wir nicht die Geräusche hören können, sondern das, was Gott jedem von uns mitten und tief ins Herz gelegt hat: Da kannst du hören, was wichtig ist und du wirklich zum Leben brauchst; wo einmal dein Platz sein wird und was deine Aufgabe sein wird, die dich wirklich glücklich macht; zu wem du einmal gehören wirst und wer zu dir; wie du in gewissen Situationen umgehen sollst, …  alles Wichtige ist uns mitten ins Herz gelegt.

Vielleicht hast auch du einmal ein paar Minuten Zeit für Stille, um hineinzuhören, was Gott dir jetzt sagen will. Ich wiederhole: Der hl. Benedikt schreibt im Prolog seiner Regel: „Höre, mein Sohn“ – man kann auch sagen: „meine Tochter“ – „auf die Weisung des Meisters“ – man kann auch sagen: „auf das, was Gott dir mitten und tief ins Herz hineingelegt hat“ – „und neige das Ohr deines Herzens“. Herr, schenke uns ein offenes Ohr des Herzens – zum HÖREN.